Geschichte der Konsumgenossenschaften in Deutschland

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1844 - Die erste Konsumgenossenschaft wird gegründet

Das Gebäude, in dem der Laden der Pioniere von Rochedale eröffnete
In der englischen Kleinstadt Rochedale nahe Manchester gründen 28 Weber, die Pioniere von Rochedale,  die erste Konsumgenossenschaft.
Pioniere von Rochedale: Die ersten Mitarbeiter des Ladens 1844
Die Idee war denkbar einfach: Die Lebensmittel stiegen ständig und die Weber befürchteten, die Preise auf Dauer nicht zahlen zu können.  So kauften sie die Ware in größeren Mengen günstig ein und verkauften die Lebensmittel in kleineren Posten weiter an ihre Mitglieder. Wurden Überschüsse aus dem Verkauf erzielt, wurden diese direkt an die Beteiligten ausgezahlt.

Der erste Laden der Pioniere von Rochdale öffnete am 21. Dezember 1844. Noch heute kann dieses Gebäude als Museum besichtigt werden.

§ 1 der Satzung der "Redlichen Pioniere von Rochedale"

" Ziel und Zweck dieser Genossenschaft ist es, für den materiellen Nutzen und die Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse ihrer Mitglieder Rechnung zu tragen ..."

Prinzipien der Genossenschaften gelten bis heute

Die Prinzipien der ersten Genossenschaft haben auch heute noch Bestand:

Erinnerungstafel an die Gründung der KG Eilenburg1850 - Gründung der ersten deutschen Konsumgenossenschaft - "Lebensmittel-Association" - in Eilenburg

Nach dem Vorbild aus Rochedale gründete sich 1850 im sächsischen Eilenburg die erste deutsche Konsumgenossenschaft. Ihr folgten Gründungen weiterer Konsumgenossenschaften beispielsweise in Hamburg, Berlin, Stuttgart, Meißen und Altenburg.

1894 - "Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m.b.H. - GEG"

Deckblatt eines Bürstenmann-Kataloges 1926Werbeplakat GEGMit der Gründung der "Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m.b.H. - GEG" in Hamburg konnten die einzelnen Konsumgenossenschaften die Vorteile des Großeinkaufs Genossenschaftsübergreifend nutzen. Gegründet wurde die GEG von 47 Konsumvereinen, davon 27 aus Sachsen. Es entstanden Warenlager in Mannheim, Berlin, Düsseldorf und in Chemnitz (► Kauffahrtei).

Ab 1910 errichtete die GEG eigene Produktionsbetriebe, beispielsweise die ► Bürstenfabrik in Stützengrün, noch heute ein Unternehmen der Zentralkonsum eG.

Bis 1926 richtete die GEG 16 Großhandelslager ein, 1920 hatten sich ihr über 1000 KONSUM-Vereine angeschlossen, sie war das größte deutsche Handelsunternehmen.

1903 - Gründung des "Zentralverbandes deutscher Konsumvereine eG" in Dresden

Die Idee der Konsumvereine setzte sich durch: 1907 gabe es rund 1200 Konsumvereine im deutschen Reich, die über eine Million Mitglieder vereinten. Im Zentralverband deutscher Konsumvereine eG waren 80% der Konsumvereine organisiert.

Neben dem Zentralverband deutscher Konsumvereine eG gab es als zweiten konsugenossenschaftlichen Verband den Reichsverband deutscher Konsumvereine e.V.

Konsumgenossenschaften gründeten sich europaweit

Auch in den anderen europäischen Ländern gründeten sich Konsumvereine: In England waren 1907 rund 2,3 Millionen Mitglieder in Konsumvereinen registriert, in Frankreich 640.000. In Österreich-Ungarn, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und den skandinavischen Ländern organisierten sich ähnlich viele Mitglieder in den Konsumgenossenschaften.

1933 bis 1945 - politische Einflussnahme und Zerschlagung der Konsumgenossenschaften

Die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 führte auch bei den Konsumgenossenschaften in Deutschland zu weitreichenden Veränderungen. Die beiden konsumgenossenschaftlichen Verbände (Zentralverband deutscher Konsumvereine und Reichsverband deutscher Konsumvereine) wurden der nationalsozialistischen Deitschen Arbeitsfront unterstellt. Die Großeinkaufs-Gesellschaft Deutscher Consumvereine m.b.H. - GEG wurde umbenannt in Reichsbund der deutschen Verbrauchergenossenschaften GmbH (GEG). In dieser Gesellschaft wurde die genossenschaftlichen Zentralverbände zusammengefasst

1941 wurden die Konsumgenossenschaften nach Zwangsliqidierungen, Übergriffen und Zerstörungen endgültig enteignet. Sie wurden an private Einzelhändler übergeben oder als "Versorgungsringe" der Deutschen Arbeitsfront übereignet.

Befehl der SMAD zur Wiedereinrichtung der Konsumgenossenschaften1945 - Befehl zur Wiedereinrichtung der Konsumgenossenschaften

Nach der Kapitulation Deutschlands am 08. Mai 1945 und der Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen entwickelten sich die Konsumgenossenschaften in der Sowjetischen Zone (später DDR) und den drei Zonen der Briten, Amerikaner und Franzosen (später Bundesrepublik Deutschland) unterschiedlich.

Bereits mit Kriegsende wurden die ersten Konsumgenossenschaften Wiedergegründet, zu ihnen gehörte die Konsumgenossenschaft Calau in Brandenburg. Bis Dezember 1945 gab es auf dem späteren Gebiet der DDR bereits 33 Wiedergegründete Konsumgenossenschaften.

Die Sowjetische Militäradministration (SMAD) legte mit ihrem Befehl Nr. 176 vom 18. Dezember 1945 die Rolle der Konsumgenossenschaften in ihrer Besatzungszone fest: der Konsum sollte Lebensmittel und grundlegene Bedarfsgüter für die Bevölkerung in Groß- und Einzelhandel verteilen, die dazu notwendigen Transportkapazitäten bereitstellen sowie diese Güter auch selbst produzieren.

1949 - Gründung des "Verbandes Deutscher Konsumgenossenschaften eG (VDK)" in der Sowjetischen Besatzungszone

Konsum-Marken

Gründungsort des VdK - Haus Vaterland

Konsum-Marken

Übersicht der Verbände und Konsumgenossenschaften in der DDR

Der Konsum, das zweitgrößte Handelsunternehmen der DDR, war vor allem Nahversorger auf dem Land und passte eigentlich auf Grund seines privatwirtschaftlichen Status nicht in das sozialistische Wirtschaftssystem. Doch der Staat brauchte den Konsum für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Aus diesem zwiespältigen Verhältnis entstanden Akzeptanz und gleichzeitig Einordnung in die staatliche Planung, was in Bezug auf die Festlegung von Löhnen sowie von Preisen für den Ein- und Verkauf allenfalls minimalen Spielraum zuließ. Die Genossenschaften waren auch bei der Finanzierung von Investitionen sowie der Zahlung einer Gewinnabgabe an staatliche Vorgaben gebunden. Ungeachtet der Tatsache, dass sie private Handelseinrichtungen waren und ihren Mitgliedern gehörten.

Die Konsumgenossenschaften der DDR waren in 14 Bezirksverbänden organisiert, im Verband der Konsumgenossenschaften der DDR (VdK) vereinigt und jeweils einzeln im Genossenschaftsregister registriert. Der Verband selbst war als sogenanntes wirtschaftsleitendes Organ für die Einhaltung und Erfüllung staatlicher Vorgaben, speziell gegenüber dem Ministerium für Handel und Versorgung, verantwortlich.
 

Konsum-Verkaufsstelle 1949Bis zur Wende betrieben die Konsumgenossenschaften der DDR 30 000 Läden mit einer durchschnittlichen Ladengröße von 73 Quadratmetern sowie 6000 Gaststätten. Ihr jährlicher Umsatz betrug ca. 40 Milliarden Mark der DDR, 30 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes des Landes. Weitere sechs Milliarden erwirtschafteten die Bezirksverbände und der VdK mit ihren 62 Produktionsbetrieben. Sie stellten Teig- und Süßwaren, Kaffee und Spirituosen sowie Möbel her, die Konsumbetriebe mehrheitlich Back- und Fleischwaren. Insgesamt beschäftigten die Genossenschaften mit rund 4,6 Millionen Mitgliedern sowie der VdK und die 14 Bezirksverbände insgesamt 260 000 Mitarbeiter.

 
► Konsum Werbefilme aus den 1950er - 1960er Jahren
 

1999 - aus Verband der Konsumgenossenschaften VDK wird Konsumverband

Umfirmierung von Verband der Konsumgenossenschaften VdK eG in Konsumverband eG.

2000 - Gesamtverband Deutscher Konsumgenossenschaften

Die Konsumverband eG Berlin und der Zentralverband deutscher Konsumgenossenschaften in Hamburg gründen den "GDK - Gesamtverband Deutscher Konsumgenossenschaften" mit Sitz in Berlin. Beide Verbände bleiben eigenständig bestehen.
 
Der GDK wurde am 30.06.2003 durch Austritt des Mitgliedes ZdK Hamburg aufgelöst.

Deckblatt des Maganzins WIR2004 - Zusammenarbeit mit dem MGV beginnt

Die Konsumverband eG und der MGV Mitteldeutscher Genossenschaftsverband (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V. arbeiten eng auf der Grundlage eines Kooperationsvertrages zusammen.

2005 gründen die Konsumverband eG, der Mitteldeutscher Genossenschaftsverband und der Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften die "Genossenschaftliche Presse aus Mitteldeutschland GmbH" und sind damit gemeinsame Herausgeber des "WIR. Das Genossenschaftsblatt aus Mitteldeutschland".

2008 - aus Konsumverband wird Zentralkonsum

Umfirmierung von Konsumverband eG in Zentralkonsum eG.

Die Zentralkonsum eG gibt ihre Anteile an der "Genossenschaftliche Presse aus Mitteldeutschland GmbH" an die zwei anderen Gesellschafter ab und scheidet als Herausgeber der "WIR. Das Genossenschaftsblatt aus Mitteldeutschland" aus. Grund ist die anhaltende defizitäre wirtschaftliche Situation der Beteiligung.

Etablierung eines jährlichen Workshops für die Mitglieder der Zentralkonsum eG als Forum zum Gedanken- und Informationsaustausch insbesondere zwischen den Konsumgenossenschaften.

2011 - Veränderungen gehören zum Geschäft

Kooperation mit dem „Genossenschaftsverband e.V.“: Etablierung des ► Sommerfestes der Genossenschaften als gemeinsame Veranstaltung der Zentralkonsum eG und des „Genossenschaftsverband e.V.“

Zentralkonsum eG kündigt fristlos die Mitgliedschaft im Mitteldeutschen Genossenschaftsverband (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V. aus wichtigem Grund, die Mehrheit ihrer Mitgliedsgenossenschaften folgt. Grund für diese Entscheidung waren die anhaltend negativen Jahresergebnisse des MGV und die fehlende Strategie zur Konsolidierung der Finanzen des Vereins.

Der „Genossenschaftsverband e.V.“ wird neuer Prüfungsverband der Zentralkonsum eG.

2013 - Ende eines Genossenschaftsverbandes

Die Mitglieder des Mitteldeutscher Genossenschaftsverband (Raiffeisen/Schulze-Delitzsch) e.V. und des „Genossenschaftsverband e.V.“ stimmen der rückwirkenden Fusion der beiden Verbände zu. Mit dieser Fusion wird die drohende Insolvenz des MGV abgewendet. Die für die Insolvenz mitverantwortlichen Führungskräfte – respektive der neuen Vorstände des MGV werden vom "Genossenschaftsverband e.V.“ übernommen.

Durch diese Fusion wird der "Genossenschaftsverband e.V." zum größten länderübergreifenden Prüfungsverband Deutschlands.